Grüne Musik

Musikinstrumente aus Naturmaterialien kennt man in Frankreich unter dem schönen Namen „musique verte“, also Grüne Musik. Heute möchte ich die „moulin de cardère“ vorstellen – die Kardenmühle.

Kardenmühle, ein Musikinstrument aus der Weberkarde.
Moulin de cardère = Kardenmühle

Man braucht dazu nur eine Weberkarde (Dipsacus sativus) und ein Messer. Mit den Köpfen der Weberkarde wurden früher Wollstoffe aufgeraut. Wo sie angebaut wurde, ist sie manchmal verwildert und deshalb heute noch zu finden. Die Weberkarde kann aber auch leicht im Garten ausgesät werden, sie ist ein absoluter Hummelmagnet und nicht so stachelig wie ihre Verwandte, die Wilde Karde (Dipsacus fullonum oder Dipsacus sativus). Das Saatgut kann man zum Beispiel bei Dreschflegel kaufen.

Blütenköpfe der Weberkarde im zweiten Jahr.
Die Weberkarde blüht erst im zweiten Jahr nach der Aussaat.

Man erntet den Blütenkopf mit einem Stück des Stängels nach der Blüte, dazu noch ein paar dünnere Seitentriebe. Dann ein paar Tage trocknen lassen, damit die Mühle besser klingt.

Stücke der Weberkarde als Material für eine Kardenmühle.
Das Rohmaterial für drei Kardenmühlen.

Die Blätter werden abgezupft. In einen etwas dickeren Stängelabschnitt schneidet man mit einem Messer ein Loch:

Ein Loch in den Kardenstängel schneiden.
Das Messer flach ansetzen.
Loch im Kardenstängel.
Von beiden Seiten eingeschnittenes Loch.

Nun ein dünnes kurzes Stöckchen oben in den hohlen Stängel stecken und das gelochte Stück aufstecken. Das Loch muss so groß sein, dass sich das Querstück leicht drehen lässt.

Zwichen beiden Händen dreht man die Mühle hin und her, so dass sie ordentlich klackert! Am besten baut man gleich mehrere, denn jede gibt einen anderen Ton.

Die Kardenmühle zwischen den Händen schnell hin und her drehen.

Viele andere Grüne Musikinstrumente finden Sie in meinem Buch Flechten, Färben, Schnitzen, zum Beispiel das Megafon aus Birkenrinde, Rinden- und Mittwinterhorn oder die Maisgeige.

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