Kettenhemd als Topfreiniger

Topfreiniger „panzerfleck“ (Kochen wie im Mittelalter, Seite 64):

Die frühesten Funde stammen aus frühmittelalterlichen Frauengräbern. Bei Bajuwaren, Franken und Merowingern fand man Teile von Kettengeflecht am Gürtel von bestatteten Frauen. In „Gewalt im Mittelalter: Realitäten, Imaginationen“, Manuel Braun und Cornelia Herberichs, wird in Fußnote 32 auf S. 45 auf „Teile von Kettenpanzern als Reinigungshilfe für Metallkessel“ vom mittelalterlichen Fundplatz Müllerenhütte in den Schweizer Alpen hingewiesen.
Irgendwie müssen die Topfreiniger aus Kettengeflecht nach Amerika gelangt sein. Um 1900 gehörten sie als „pot chain“ zur normalen Kücheausrüstung. Auf diesem Foto entdeckt man ein Exemplar an der Wand links unter dem Ofenrohr:
Küche Washington D.C., ca. 19121890 und 1902 wurden sogar Patente auf neuartige Kettenring-Putztücher, „Wire Cloth“ oder „Chain Dish-Cloth“ angemeldet:
Patent 1890 Patent 1902Aus Amerika ist der Topfreiniger wieder zurück nach Europa gekommen. Inzwischen bekommt man auch in Deutschland „Ringreiniger“ als Camping- oder Grillzubehör für gusseiserne Töpfe (Dutch Oven o. ä.).Das (veraltete) Verb zum „panzerfleck“ heißt übrigens „panzerfegen“, wie in einem Wörterbucheintrag von 1798 zu lesen ist.

Veröffentlicht in Archäologie, Mittelalter, Volkskunde Getagged mit: ,