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Der Einsatz von Blitzlicht auf archäologischen Ausgrabungen

Der Einsatz von Kunstlicht kann auch tagsüber die Qualität der fotografischen Grabungsdokumentation bemerkenswert steigern. Man rufe sich die alte Berufsbezeichnung der frühen Fotografen ins Gedächtnis: "Lichtbildner". Der Sinngehalt wird häufig vergessen. Besonders nach Kauf einer teuren Ausrüstung neigen viele Schnellschußkünstler dazu, alles dem elektronischen Wunderding zu überlassen. Für die Lichtstimmung muß schon der Mensch sorgen, wenn sie nicht in passender Ausprägung vorliegt.

Seitenlicht läßt schwache Strukturen besser hervortreten, diffuse Beleuchtung vermeidet Schlagschatten im grob strukturierten Motiv. Nasse Befunde sind heikel, weil es überall störend glitzert und ist farbige Dokumentation angesagt, sehen wir uns dem weiten Feld der Farbverfälschungen gegenüber. Nicht zu vergessen das Filmmaterial: Unterschiedliche Produkte weisen ihre individuelle Farbcharakteristik auf.

Moderne Elektronenblitze bieten nicht nur Vorteile bequemer Handhabung im Gegensatz zu Scheinwerfern und Röhrenleuchtwannen. Ihnen ist auch noch eine Farbtemperatur zu eigen, die der des Sonnenlichtes sehr nahe kommt. Über die Schattenaufhellung hinaus besteht also die Möglichkeit, bildwichtige Motivteile in einer besseren, natürlichen Farbstimmung abzubilden, als es die gegebenen Lichtverhältnisse zulassen.

Wie kommt es zu einer Kombination von verschiedenen Wellenlängen des Lichtes, die wir in ihrer Auswirkung auf die Fotodokumentation als unnatürlich empfinden?

Bis zu einer Entfernung zwischen Blitz und Motiv von etwa drei Metern kann diesen Störungen durch Einsatz eines Amateur-Elektronenblitzes begegnet werden, indem das Motiv farbnatürlich ausgeleuchtet wird. In der Regel darf dann die Umgebung mit Farbstich bleiben, wenn keine Menschen zu erkennen sind. Genau wie in der Lebensmittelfotografie erinnern unnatürliche Hauttöne eher an abgestorbenes Material.......

Zum Thema Farbverschiebungen siehe auch die Abbildung: Komplementärfarben - Fotofilter

Die Blitzverwendung im Gelände unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich vom üblichen Gebrauch in geschlossenen Räumen.

Blitzlicht vor Profil

Die Kamera kann durchaus leicht schräg zur Profilebene stehen, wenn nur das Blitzlicht rechtwinklig auftreffen kann.

Kamera schräg zum Profil

Der Grund für die genaue Positionierung des Blitzlichtes liegt in der Physik: Die Lichtabschwächung vergrößert sich nicht proportional zur Entfernung, sondern im Quadrat der Entfernung. Blitzen wir ein Profil schräg an, ergibt sich eine ungleichmäßige Ausleuchtung mit über- und unterbelichteten Motivabschnitten, je nach Entfernung.

Eine senkrechte Abstrahlung über den Plana zu realisieren funktioniert z.B.
a) von Brückenkonstruktionen,
b) mit angelähnlichen Auslegern,
c) mit einer Art Miniseilbahn.
Klappt das nicht, soll mit Leiter und Ausleger eine Hochschrägaufnahme einen erträglichen Kompromiß bieten.

Nehmen wir Fall 1, automatische Blitzsteuerung.
Filmempfindlichkeit einstellen, Entfernungsbereich wählen, Blitzauslösung, innerhalb von Millisekunden mißt eine im Blitz eingebaute Fotozelle die Lichtreflexion, automatische Abschaltung nach der vorgegebenen Entfernung und davon abhängiger Lichtmenge. Soweit die Theorie. Im Gelände gibt es viele Situationen, mit der die Automatik nicht zurecht kommt- zum Teil sogar für Spezialisten unerklärlich. Die Erfahrung lehrt, die Blitzautomatik im Gelände nur bis maximal 2 m Entfernung zu benutzen!

Nehmen wir Fall 2, Rechentabelle mit Blendenvariationen.
Der Wählhebel steht jetzt nicht auf "Automatik", sondern auf "Manuell", worauf unser Blick sich auf die Rechentabelle auf der Rückseite des Blitzgeräts richtet.
Blende 2,8 Blende 5,6 Blende 8 Blende 11 Blende 16
9 m 4,5 m 3,2 m 2,5 m 1,6 m

Die Werte gelten bei Filmempfindlichkeit 100 ISO und wirken für so ein Amateurblitzgerät garnicht übel. Jetzt kommt das große "Aber"! Wegen fehlender Wände und Decken entsteht weniger Lichtreflexion und wir müssen zwei Blenden mehr öffnen, als in der Rechentabelle angegeben.
Arbeitsblende: Blende 2,8 Blende 4 Blende 5,6 Blende 8
Blitz-Motiv: 4,5 m 3,2 m 2,5 m 1,6 m

Klar ist, je größer der Abstand zwischen Blitz und Motiv, umso weiter muß die Blende geöffnet werden. Mit Rücksicht auf die Tiefenschärfe ist aber hier bei 3,2 m Blitzentfernung Schluß.

Es gibt folgende Möglichkeiten zur Steigerung der Blitzentfernung:

Die vorgenannten Beispiele gelten für abgeschwächtes natürliches Licht oder mäßige künstliche Lichtquellen im Umfeld. Bei hellem Umgebungslicht muß vorher die Lichtstärke mit Belichtungsmesser gemessen werden und ich muß wissen, welche Belichtungszeit meine Kamera für die Blitzsynchronisation benötigt. Wenn letztgenannter Punkt unklar ist, gehe man von 1/30 Sekunde aus.

Beispiel:
Filmempfindlichkeit 100 ISO; Nötige Belichtungszeit 1/30 Sekunde; Belichtungsmesser gibt für 1/30 Sekunde Blende 5,6 an. Laut korrigierter Tabelle (siehe oben) erlaubt Arbeitsblende 5,6 eine Blitzentfernung von 2,5 m, entsprechend Variante 1. Ich kann auch Blende 8 einstellen bei Blitzentfernung 1,6 m, was zur Dämpfung des Umgebungslichtes im Umfeld führt, entsprechend Variante 2. Blende 4 einzustellen, um die größere Blitzentfernung 3,2 m zu ermöglichen, führt zu einer Überbelichtung des Fotos durch das Umgebungslicht- dafür ist Variante 3 unbrauchbar.

Wer häufig in Gebäuden oder im Wald archäologische Untersuchungen durchführt, kommt um die Anschaffung eines starken Profiblitzes nicht herum.

Sollten die geneigten Leser jetzt erschrocken sein, zeigen sie eine natürliche Reaktion. Ich empfehle zur Einarbeitung erst einmal die Beschränkung auf Profilfotos und Nahaufnahmen unterhalb 2 m Entfernung. Sehen Sie pro Motiv drei Belichtungsvarianten mit jeweils einer halben Blende Unterschied vor (Diafilm) und mindestens ein Foto sollte sich dann als brauchbar erweisen. Dringende Empfehlung: Zu Beginn der Grabung häufiger Fotos schießen und alle technischen Daten notieren einschließlich Filmsorte. Wenn dann das eine oder andere Arbeitsfoto unbefriedigend ausfällt, nimmt die Dokumentation noch keinen Schaden.

Nachtrag zu Negativfilmen: Hierbei müssen die Belichtungsintervalle mindestens eine ganze Blende betragen, weil im Labor Vergrößerungsautomatik und Belichtungsspielraum des Fotopapiers kleinere Unterschiede kompensieren.

Mit den besten Wünschen für die ersten Blitzserien,

Norbert Fischer



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www.grabungswoerterbuch.de © Norbert Fischer, Doris Fischer