Motte

Motte, die

Der Begriff der Burgenkunde und Mittelalterarchäologie stammt aus dem Französischen, er bezeichnet die zum Hügelbau verwendeten Grassoden.

Motten werden oftmals auch als Turmhügelburg bezeichnet, was nicht ganz korrekt ist. Denn mit Motte bezeichnet die Terminologie eine Burg auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel als charakteristischem Element. Auf diesem befand sich in der Regel wohl ein Turm, bisweilen aber nur ein ‚Festes Haus'. Die Höhe der Aufschüttungen ist unterschiedlich: von weniger als einem Meter bis zu mehreren Metern. Bisweilen wurden auch Grabhügel oder natürliche Hügel für den Bau der Motte benutzt. Teilweise ist der Turm erst später eingemottet worden, d.h. ein ebenerdiger Turm wurde nachträglich mit einem Erdhügel umgeben. Neben dem Turm bzw. Festen Haus aus Holz oder Stein sind meist eine einfache Palisade mit Graben, der Unterbau eines Hocheingangs oder seltener Nebengebäude zu erwarten. Ebenfalls zur Motte gehört in der Regel eine Vorburg mit den Wirtschaftsgebäuden.

Motten wurden vom Ende des 10. bis zum 14. Jahrhundert errichtet, in Deutschland tauchen sie etwa um die Jahrtausendwende auf. Die Burgenform findet sich in ganz Mittel- und Westeuropa sowie vereinzelt in Südeuropa. Sie diente als Adelssitz bzw. in einfacher Kleinform ohne Vorburg als Warte.

Eine 1:1-Rekonstruktion einer solchen Burg auf einem nur etwas über einem Meter hohen Hügel oder Podest ist in Kanzach (Ba-Wü) errichtet worden (www.bachritterburg.de). Sie folgt den Befunden von 1271d in Eschelbronn (Ba-Wü).

Vgl.:

© Sven-Hinrich Siemers

Dieser Text wurde von Sven-Hinrich Siemers für das Grabungswörterbuch verfaßt. Vielen Dank!


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