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Filtereinsatz in der Schwarz-Weiß-Fotografie - was bringt das auf Grabung?

Dieses Thema ist nicht denkbar ohne Hinweis auf die unübertroffene Archivsicherheit des Schwarz-Weiß-Negativmaterials bei qualifizierter Lagerung. Farbmaterial erreicht die übernächste Archäologengeneration nur in der Tiefkühltruhe und digitale Datenträger erfordern regelmäßiges Umkopieren auf aktuelle Software.

Sie haben sich also entschlossen, immer parallel zu Ihrer farbigen Fotodokumentation die Motive ebenso auf Schwarz-Weiß (S/W) - Negativfilm festzuhalten. Zwei Kameras müssen demnach für den Grabungsbetrieb bereitstehen, eine für die Farbserie, eine für die S/W-Serie. Läßt sich absehen, daß für schwierige Lichtverhältnisse kein Kunstlicht oder starker Elektronenblitz zum Einsatz kommen kann, sichern zwei weitere Kameragehäuse für höher empfindliche Filmsorten den Handlungsspielraum. Mittelformatkameras bieten die Möglichkeit, über Wechselmagazine den Filmwechsel zu gewährleisten.

Das S/W-Positivbild, also das Foto auf Barytpapier (mehrere Generationen haltbar) oder auf kunststoffbeschichtetem Papier (knapp eine Generation haltbar), zeigt verschiedene Farben als Grautöne. Im ungünstigsten Fall erscheinen verschiedene Farben als gleiche Grautöne, was der Grabungsfotograf mit seinen `erdverbundenen Motivenī häufig beklagen muß. Da hilft nicht die vielbeschworene Erinnerung an die Lichtführung, sondern Filterunterstützung bietet sich an.

Farbfilter für S/W? Ultraviolett? Polarisiertes Licht? Wer den Physikunterricht erfolgreich aus der Erinnerung verdrängt hat, zuckt jetzt an dieser Stelle. Wir können das gemeinsame Erinnern kurz gestalten:

Szenario
Wenn wir dem Fotoobjektiv einen rötlichen Filter aufsetzen, wird dieser bevorzugt rötliches Licht durchlassen. Die Wirkung hängt von der Farbintensität des Farbfilters ab. Zartrosa Filter kompensieren einen bläulichen Farbstich in der Farbfotografie, bewirken in der S/W-Fotografie jedoch nichts. Beispiel: Aufnahmen bei wolkenlosem Himmel in der Mittagszeit. Ein intensiv roter Filter wird jedes Farbfoto rot verfälschen, in der S/W-Fotografie aber im Positivbild die Einwirkung des rötlichen Lichts aussperren. Wie das?

  1. Objektiv + intensiv roter Filter>>>überwiegend rötliches Licht trifft auf den Negativfilm und verursacht Schwärzung im roten Motivteil.
  2. Im Fotolabor läßt das Negativ an der geschwärzten Stelle wenig oder kein Licht durch>>>auf dem Positiv, dem Fotopapier, erscheint diese Stelle hellgrau oder weiß. Denken Sie einmal an rote Flecken auf einer ansonsten faszinierenden Hautoberfläche........ Durch Rotfilter können demnach rote Motivteile im S/W-Foto aufgehellt oder sogar unsichtbar gemacht werden!
Jetzt können wir den Bogen zurück zur Ausgrabung schlagen, indem wir uns Terra-Sigillata-Scherben im Lehmplanum vorstellen. Die intensive Rotfärbung der Scherben zeigt das S/W-Foto als homogenes Grau in Grau. Kommt bei diesem Motiv ein Rotfilter zur Anwendung, unterdrückt dieser im Positivbild die Schwärzung der Scherben und sie kontrastieren hell gegen die Grautöne des Lehmplanums. Nochmal die Einzelschritte hierfür:
  1. Rotfilter läßt bevorzugt rotes Licht durch, rote Scherben auf Negativ stärker geschwärzt als Lehmplanum.
  2. Negativ läßt in den stark geschwärzten Motivteilen wenig oder kein Licht durch, worauf diese Bereiche auf dem Fotopapier hellgrau oder weiß bleiben.
Nötige Fotofilter in der Farbfotografie lassen sich mit einem Farbtemperaturmesser bestimmen oder es hilft ein Blick auf den Farbkreis. Die jeweils einander gegenüberstehenden Farben, die Komplementärfarben, dämpfen sich gegenseitig; vgl. Übersicht zum Thema Komplementärfarben / Fotofilter.

Um sich das Filterprinzip in der S/W-Fotografie vorstellen zu können, muß der Fotograf um zwei Ecken denken.

Mehrere Versuche erfordern die Mischfarben, wobei bräunliche Farbtöne am Ausgräberdasein einen großen Anteil haben. Die Mischfarbe Braun ist im Farbkreis bei den Farben Rot und Gelb angesiedelt. Enthält der Befund Partikel in anderen Farben, können Filter in den Komplementärfarben zu Rot und Gelb, nämlich Blau und Blaugrün, die Kontraste steigern helfen.

Polarisationsfilter
Einen Sonderfall stellen Möglichkeiten dar, die ein Polarisationsfilter bietet. Ein Polarisationsfilter schaltet Lichtreflexe von nichtmetallischen Oberflächen aus sagen uns die Physiker. Auf Grabung kommen nichtmetallische Lichtreflexe von Plastikfolien, Glasoberflächen und Wasserpfützen. Bei aufgesetztem Polarisationsfilter müssen im Kamerasucher oder auf der Mattscheibe die Lichtreflexe beobachtet werden unter gleichzeitigem Drehen des Filters. In einem bestimmten Winkelbereich der Lichtreflexe lassen sich diese ausschalten. Kameras mit Belichtungsmessung durch das Objektiv benötigen einen "Polfilter zirkular", andere Kameramodelle einen "Polfilter linear". Merke: Weil Beobachtung durch das Objektiv nötig ist, funktioniert das Verfahren nur bei Spiegelreflexkameras oder Plattenkameras mit Mattscheibe. (Hinweis: Das geschilderte Verfahren läßt sich auch bei Farbfilmen anwenden).

Oh, echte Wolken!
Ältere Redakteure ertappen sich manchmal bei dem Ausruf "Oh, echte Wolken!", womit sie ihrer Freude Ausdruck geben wollen über ein gut gefiltertes S/W-Bild. Bei der Herstellung von Publikationsvorlagen werden schon mal etwas zu nüchtern geratene Fotos mit Labormanipulationen in den Teilen nachträglich belebt, wo Himmel im Bild erscheint. Fachleute erkennen das natürlich. Wieso kommen Wolken, die im Moment der Aufnahme deutlich zu erkennen sind, nicht auf dem S/W-Foto an? Es liegt am geringeren Kontrastumfang des Fotopapiers. Wir belichten ja auf die bildwichtigen Teile, weswegen der Himmel überbelichtet ist. An dieser Stelle sehen Negative recht schwärzlich aus und infolge dessen das Fotopositiv überwiegend weiß. Mit Gelbfilter oder Orangefilter kommen Wolken so auf dem Negativ an, daß sie sich ohne umständliche Manipulationen sofort im normalen Vergrößerungsverfahren auf dem Fotopapier sichtbar machen lassen.

Die Erklärung liefert ein Blick auf den Farbkreis. Gelb und Orange stehen der Farbe Blau gegenüber. Blaues Licht wird durch diese Filter gedämpft, also erscheint der blaue Himmel im S/W-Negativ heller. Diese helleren Negativbereiche lassen beim Vergrößern im Labor mehr Licht durch und deshalb erscheint der Himmel dann auf dem Fotopapier dunkler als bei ungefilterten Aufnahmen. Dunklerer Himmel bedeutet stärkerer Kontrast zu den Wolken, die nun trotz Überbelichtung beim ersten Belichtungsdurchgang im Fotolabor sichtbar werden. Alles klar?

UV-Sperrfilter
Eine weitere Besonderheit steht uns im UV-Sperrfilter zur Verfügung, der bei intensiver Sonneneinstrahlung strahlungsbedingten leichten Unschärfen entgegenwirkt. Die Unschärfen durch starke UV-Strahlung ereignen sich im Hochsommer, am Strand, im Gebirge und, nicht zu vergessen, im Frühjahr, wenn der atmosphärische UV-Schutz durch Schwächen in der Ozonschicht nachläßt. Anders ausgedrückt, es kann uns ziemlich häufig erwischen. Kamerahersteller empfehlen deswegen, ständig einen "Skylight-Filter" zu montieren, der im rauhen Grabungsalltag zusätzlich die Frontlinse des Objektivs vor Beschädigungen schützen kann. In den besonders riskanten Zeiten, siehe oben, sollte es dann ein spezieller UV-Sperrfilter sein.

Wieso erzeugen UV-Strahlen eigentlich Bildunschärfen? Eingangs war von Wellenlängen die Rede. UV-Strahlen sind kurzwellig und energiereich, was die belebte und unbelebte Materie mit Veränderungen quittiert. Eine Strahlungsart, die Sonnenbrand und Schneeblindheit verursacht, vermag auch den S/W-Negativfilm zu schwärzen, obwohl das menschliche Auge diese Strahlung nicht sehen kann. Die UV-Strahlen werden wie das sichtbare Licht vom Kameraobjektiv gebündelt und erzeugen ebenfalls ein Bild fast auf der Bildebene, der Negativebene- aber eben nur fast auf der Bildebene. Die für das sichtbare Licht berechnete Bildebene befindet sich in einem Bereich, wo UV-Strahlen unscharf abbilden. Es hört sich schlimm an, aber es gibt ja UV-Sperrfilter.
(Hinweis: Das geschilderte Verfahren läßt sich auch bei Farbfilmen anwenden).

Graufilter
Ein kleiner Rückblick zum Anfang dieses Beitrags soll noch einmal an die Idealausstattung mit Kameras und Filmen für jede Gelegenheit erinnern. Idealausstattungen sind leider nicht immer möglich. Da kann ein Ausweg wie folgt aussehen: Sie bestücken nur zwei Kameragehäuse mit höher empfindlichen Filmen. Sollte sich eine Belichtungssituation ergeben mit sehr hellen Motiven bei strahlendem Sonnenschein, können Kamera und Film an die Grenze ihrer Möglichkeiten geraten. Da hilft ein aufgesetzter Graufilter das Licht so zu dämpfen, daß die Technik wieder mitspielt.
(Hinweis: Das geschilderte Verfahren läßt sich auch bei Farbfilmen anwenden).

Belichtungszeit
Eine Bemerkung erscheint bewußt zum Ende dieser Erläuterungen, nämlich der Hinweis auf die Abhängigkeit der Belichtung vom verwendeten Filtertyp. Intensiv gefärbte Filter lassen weniger Licht durch und machen deshalb eine längere Belichtungszeit oder eine größere Blendenöffnung nötig. Der Verlängerungsfaktor der Belichtungszeit findet sich eingeprägt auf dem Filterrand. Verlängerungsfaktor 2,0 bedeutet, eine Blendenstufe weiter öffnen oder die nächst längere Belichtungszeit einstellen. Es ist aber weniger dramatisch wegen des großen Belichtungsspielraums moderner Negativfilme, falls in Ausgrabungshektik dieser Umstand einmal vergessen werden sollte. Ab Verlängerungsfaktor 2,5 aufwärts rate ich Ihnen doch besser daran zu denken. Auf der sicheren Seite sind Geländemenschen, deren Kamera die Belichtung durch das Objektiv hindurch mißt! Da kann kein Verlängerungsfaktor in Vergessenheit geraten.

Norbert Fischer


www.grabungswoerterbuch.de © Norbert Fischer, Doris Fischer