Startseite


Nur ein Stück Holz ...

Norbert Fischer, Mainz, Februar 2010

 

Bast
Jahrringe
Splintholz/ Kernholz
Probenentnahme
Fachbegriffe deutsch - englisch
Robinien
Termiten
Pappeln

 

Jeder Ausgräber und Bauforscher sieht sich immer wieder einmal mit hölzernen Resten im Befund konfrontiert. Die Bergemethoden und nötige angemessene Aufbewahrung werden immer raffinierter. Es überrascht nicht, in diesem Zusammenhang mit Fachausdrücken belastet zu werden. Da muss man durch.

Borke, cambium, inner bark, Splintholz, Xylem, heart wood - in der Tat, wer sich bisher nur mit Brennholz und einfacher Bauschreinerei beschäftigt hat, kann nun im Gemenge deutsch-lateinisch-griechisch-englischer Wörter schon einmal knapp daneben liegen.
Deshalb reden wir hier über einen Baum (dtsch.) - tree (engl.)

Die äußere Hülle der hölzernen Teile oberhalb der Bodenoberfläche bildet die Rinde (dtsch.) - bark (engl.). Alle Baumarten bilden eine mehr oder weniger rauhe Abnutzungsschicht/ Opferschicht an der Rindenaußenseite aus, die Borke (dtsch.) - bark (engl.); unsere englischen Freunde machen hier keine weiteren Umstände........ Umso unübersichtlicher wird es, sprachlich gesehen, unter der Borke, wo sich sozusagen die `Hauptschlagader´ des Baumes befindet: der Bast (dtsch.) - bast (eher britisch); cambium (eher nordamerikanisch); phloem (botanisch); inner bark (praktisch)

Im Bast werden Nährstoffe von der Baumkrone Richtung Wurzel transportiert.


Kleiner Exkurs B A S TNach oben

Um die Verwirrung im Englischen zu komplettieren, verlangen Gärtner, Blumenbinder und Bastler nach "raffia" oder "raphia", wenn sie Bast einkaufen. Diese spezielle Bastart stammt von Raffiapalmen; vgl. Bastrock.

Zäher Bast von verschiedensten Baumarten wurde und wird in zahlreichen Kulturen für Schnüre, Textilien und zur Fertigung wasserdichter Behältnisse genutzt. Im lebenden Bast lassen sich mikroskopisch mehrere Schichten und Zellarten unterscheiden, die Leitungsfunktionen, Zellbildungsaufgaben (Wachstumsschicht) und Stützfunktionen erfüllen. In Kenntnis dieser Verhältnisse ist leicht zu verstehen, warum ein Baum sterben muss, widerfährt ihm "das Ringeln", die ringförmige Unterbrechung der Bastschicht. Deshalb darf nur streifenweise geerntet werden.

Bast-Ernte (Klick für größeres Bild.)
Abb. 1 Lange Streifen lassen sich durch wechselnde Zieh- und Drehbewegungen bei der Bast-Ernte ablösen.
Trennen von Borke und Bast (Klick für größeres Bild.)
Abb. 2 Trennen von Borke und Bast direkt nach der Ernte. (Quelle: Hilary Stewart, Cedar, Vancouver-Toronto 1984)


An der Unterseite der vitalen Bastschicht bildet sich das Splintholz (dtsch.) - sapwood (engl.). Diese englische Bezeichnung ist wirklich treffend, weil im Splintholz Wasser und Mineralien von der Wurzel zur Baumkrone transportiert werden.

Birkenstammscheibe (Klick für größeres Bild.)
Abb. 3 Birke-Kunsthandwerk: Segment einer Birkenstammscheibe mit deutlichem Kontrast zwischen Borke, Bast und Splintholz.

JahrringeNach oben

tree rings / annual rings / growth rings (engl.) im Holz entstehen durch unterschiedliches Nährstoffangebot in Sommer und Winter und, naturgemäß, dem Kontrast zwischen umfangreicherer Splintholzbildung durch die Wachstumsschicht ( Kambium und Xylem {botanisch}) im Sommer und den Minimalfunktionen im Winter.

Für die Dendrochronologie (dtsch.) - tree-ring dating (engl.) ist die Waldkante (dtsch.) - wane / waney edge (engl.) interessant. Gemeint ist der Bereich irgendwo zwischen Borke und jüngstem Jahresring. Britische Institute fordern deshalb für die Probennahme "samples with complete sapwood" oder "samples with bark edge". Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann exakt das Fälldatum bestimmt werden.

Mit fortschreitendem Alter verödet der Baumstamm im Innern.

Kieferstammscheibe (Klick für größeres Bild.)
Abb. 4 Trockene Kiefer-Stammscheibe mit Farbkontrast zwischen Splintholz und Kernholz.

Manche Baumarten bilden ein echtes Kernholz (dtsch.) - heartwood (engl.). Durch Abkapselung der Zellen ist es härter und steht häufig im farblichen Kontrast zum Splintholz. Es gibt auch unechtes Kernholz, wie zum Beispiel in Kirschbäumen. In solchen Fällen ist das dunklere Holz im Kern trotz des auffälligen Farbkontrastes nicht härter als das Splintholz. Hölzer ohne mit bloßem Auge zu unterscheidendem Kern bilden eine dritte Gruppe. Für den Laien ist das bisweilen unverständlich, weil die Holzverwerter nach Haltbarkeit, Statik und Aussehen urteilen und benennen, Botaniker dagegen oft anders klassifizieren. Das soll unsere Berufsgruppe nicht weiter irritieren. Wir beurteilen die Probentauglichkeit; siehe oben.

Kirschbaumstammscheibe (Klick für größeres Bild.)
Abb. 5 Verpilzt und getrocknet: Stammscheibe vom Kirschbaum.


Kleiner Exkurs SPLINTHOLZ - KERNHOLZNach oben

Denkmalpfleger deklamieren gerne wie folgt: "Durch Verhindern der aufsteigenden Erdfeuchte, konsequente Vermeidung des Splintholzes und Erhalten einer gepflegte Dachhaut wird der Holzbau Jahrhunderte überdauern".
Wasser fern halten leuchtet ein. Was ist denn nun so schlimm am Splintholz? Dies verdeutlicht ein Foto bestens; vgl. verpilzte Kiefernstammscheibe.

Kiefer verpilzt (Klick für größeres Bild.)
Abb. 6 Kiefernstammscheibe mit Pilz im Splintholz.

Weil im Splintholz einmal Mineralien von der Wurzel Richtung Baumkrone transportiert worden sind, gibt es noch entsprechende Rückstände im getrockneten Holz. Unter geeigneten Bedingungen werden Mikroorganismen sich zuerst dort ernähren wollen. Selbst in Hartholzarten bereitet Pilz `den Biotop´ vor, um in der Folge Holzschadinsekten das Leben zu erleichtern; vgl. verpilzte Eichenstammscheibe.

Eiche verpilzt (Klick für größeres Bild.)
Abb. 7 Eichenstammscheibe mit Pilz im Splintholz.

Holzarten, deren Kernholz mit bloßem Auge nicht ohne weiteres zu erkennen ist, lassen nach Pilzbefall sehr wohl den entscheidenden Grenzbereich sichtbar werden; vgl. durchweg helle Stammscheibe. Hier wählt der Handwerker nach Erfahrungswerten aus.

Ziergehölz verpilzt (Klick für größeres Bild.)
Abb. 8 Stammscheibe eines nicht identifizierten Ziergehölzes mit Pilz im Splintholz, der so im einheitlich hellen Querschnitt die Grenze zum Kernholz aufzeigt.

Die oben erwähnte konsequente Vermeidung des Splintholzes fällt demnach beim Herrichten eines Eichenstammes leichter wegen des weitaus geringeren Splintholzanteils. Das war natürlich unseren Vorfahren bekannt, was dann die bekannte dramatische Verknappung guten Bauholzes zur Folge hatte, bis die Forstwirtschaft mit systematischen Aufforstungen in Mitteleuropa begann. Übrigens, Forstwissenschaftler verweisen gerne auf die nur geringen Unterschiede in Dichte und Härte zwischen Splintholz und Kernholz. Dazu meint der Praktiker -a) immerhin existiert ein meßbarer Unterschied; -b) Holzschädlinge gehen zu allerletzt ans Kernholz!

Die harzreiche Kiefer und deren Verwandte konnte als interessante Bauholzalternative dienen, denn Harz schmeckt den Mikroorganismen nicht so sehr. Konnte durch Vorsorge- und Schutzmaßnahmen die (hoffentlich nur dünne) Splintholzdeckschicht vor Angriffen bewahrt werden, entwickelte sich allmählich ein weiterer Schutzmechanismus: Aushärtung über Jahrzehnte. Davon kann jeder Heimwerker ein Lied singen, der einmal versucht hat, in einen 40 Jahre alten Balken dieser Holzarten eine Schraube hineinzudrehen....... Was Wunder, dieses Holz kann nicht in vom Markt erwünschten Mengen geliefert werden.

Balkenquerschnitt (Klick für größeres Bild.)
Abb. 9 Graphik Balkenquerschnitt, Normalfall Dachbalken

In Abbildung 9 wird deutlich, warum Dachbalken an den Kanten zuerst verrotten. Hier liegt der Grund für die Giftexperimente der Neuzeit im Splintholzbereich.

Splintholz war und ist noch aus einem anderen Grund in Häusern präsent. Baustatiker und Zimmerleute interessieren sich, pardon, eher weniger für die Jahrhunderte nach dem Hausbau, sondern denken bestenfalls an die nächste Generation. Splintholz erträgt besser Zugspannungen. Dies ist relevant bei den Deckenbalken, die alle sich durchbiegen- mehr oder weniger. Biegespannung bedeutet, der Balken wird an der Oberseite zusammengedrückt, an der Unterseite gezogen. Deshalb kommt bei Deckenbalken die Splintholzschicht nach unten und das Kernholz nach oben.

Übrigens, Bogenbauer kannten das Phänomen schon lange vor Errichtung erster Hausbauten. In diesen Kreisen heißt es heute noch, das Splintholz bringt die Elastizität, das Kernholz die Härte. Wer also einen modernen Langbogenschützen bei Schießübungen beobachten kann, wird bei Eibenbögen zum Schützen hin das dunkelrotbraune Kernholz, Richtung Ziel das viel hellere Splintholz erkennen können.


Probenentnahme Nach oben

Vor Ort, vor dem archäologischen Befund, sollte vor der Probennahme eine Beurteilung möglich sein. Es geht schließlich um Folgekosten.

  1. Gibt es Hinweise auf erhaltene Waldkante? Dies muss nicht zwangsläufig mit Borke und Bast einhergehen, denn oft präsentiert sich bei unbearbeitetem Holz die Schicht des letzten Jahrringes, als läge der Baumstamm oder Ast wie ausgezogen, von der Rinde befreit, in der Erde. Oder der andere günstige Fall, speziell bei Gerüsthölzern zu beobachten: Bei der Balkenherstellung ist der Baumstamm geviertelt worden, was dann zum Erhalt der Waldkante an einer Balkenkante geführt hat. In den geschilderten Fällen ist Dendrochronologie möglich.

    Eine Sonderstellung nehmen Eichenproben ein. Weil nämlich Eichenstämme nur einen vergleichsweise geringen Splintholzanteil aufweisen, lohnt sich trotzdem die dendrochronologische Bestimmung. Klar, das Fälldatum wird nicht dabei herauskommen, aber +/- 10 Jahre sind immer noch genauer, als C14-Bestimmung.

  2. Sind die unter (1.) geschilderten Bedingungen nicht gegeben, taugt die Probe jedenfalls noch zur C14-Bestimmung- unter Beachtung sauberer Probennahme.

Zum Ausklang hier das babylonische Sprachendiagramm: Nach oben

Holzbegriffe deutsch - englisch (Klick für größeres Bild.)

Abb. 10 Wegweiser durch den Begriffswirrwar


ANHANG: HOLZSPEZIALITÄTEN

RobinienNach oben

Was soll eine amerikanische Baumart in der mitteleuropäischen Ausgräberfortbildung? Nun, schon um das Jahr 1600 wuchsen die ersten Exemplare in französischen Gartenanlagen. Der stachlige, relativ schnell wachsende Baum bekam früh den Namen "Scheinakazie" und sehr bald geriet das Holz in den Fokus der Holzfachberufe. Robinienholz übertrifft nämlich unter bestimmten Voraussetzungen die europäischen Eichenarten an Härte. Geschätzt war das Holz zur Herstellung von Werkzeuggriffen, Leitersprossen und sogar Radspeichen in der Wagnerei.

Stammscheibe Robinie (Klick für größeres Bild.)
Abb. A: Stammscheibe Robinie; zur besseren Erkennbarkeit geölt. Auffällig der gelbgrüne Farbton. Der Unterschied zwischen Splintholz und Kernholz ist kaum auszumachen.

Und was die Haltbarkeit betrifft, kann die Robinie sich mit Tropenhölzern messen. Sie ist nämlich giftig und somit für Pilze, Insekten und Nager als Nahrung uninteressant. Das lässt dieses Hartholz für Einsätze in wetterexponierter Lage und bei wasserbaulichen Maßnahmen besonders interessant erscheinen. Wer also frühneuzeitliche Befunde untersucht und dabei Arbeitsfelder der Gartendenkmalpflege berührt, muss die Robinie kennen. Grabeneinfassungen, Stegkonstruktionen und Teichuferbefestigungen sind bis zum heutigen Tag ein häufiges Einsatzfeld. Das prominenteste Beispiel des Einsatzes im marinen Bereich findet sich in Venedig, wo seit Jahrhunderten Gondolieri an Robinienpfählen festmachen; siehe Scan eines Zeitungsartikels.

Zeitungsartikel Plastikpfähle Venedig (Klick für gesamten Artikel.)
Abb. B: 2009 ging ein Aufschrei durch die Denkmalpflegerwelt, weil die Stadtverwaltung Venedigs die Robinienpfähle durch Objekte aus Recycle-Plastik ersetzen möchte. (Allgemeine Zeitung Mainz)

Termiten in Deutschland?Nach oben

Nicht ganz, aber es gibt tatsächlich durchaus begabte entfernte Verwandte bei uns. Wir müssen jetzt nicht befürchten, dass unser Grabungsbüro pulverisiert wird, aber Hölzer, die einer gewissen andauernden Feuchtigkeit ausgesetzt werden, sind leichter zugänglich für Pilze; vgl. Ausführungen über Dachstuhlschäden. An derartig "beackerter" Holzsubstanz können gewisse Ameisenspezies angreifen, nämlich die Rotbraune Roßameise, die Glänzendschwarze Holzameise ("Kartonameise") und noch diverse Wegameisen. Befallen werden zumeist die untersten Balken in Fachwerkkonstruktionen, Zaunpfähle oder umgefallenen Bäume. Für die Holzameisen ist ein Baum weniger das Schlaraffenland, als eine Baustelle. Nach einiger Zeit ist das Holzobjekt im Kern ausgehöhlt und bietet reichlich Platz für die verschiedenen Ansprüche eines Ameisenstaates. Hier greift nun das Interesse der Ausgräber und Bauforscher. Mit flüchtigem ersten Blick erscheint der Befund im Stammquerschnitt tatsächlich so, als habe ein Mensch mit ungeeignetem Werkzeug versucht, den Kernholzbereich zu entfernen. Bei näherem Hinsehen signalisieren die gerundeten Hohlräume, hier war kein Menschenwerkzeug, sondern Kauwerkzeug der Ameisen am Werk.

Pflaumenbaum mit Ameisenbau (Klick für größeres Bild.)
Abb. C: Stammscheibe von einem Pflaumenbaum; Ameisenbau im Stammzentrum.

Wieso keine Pappeln?Nach oben

Pappeln und andere "Extremweichhölzer" haben solch einen hohen Splintholzanteil, dass die Erhaltungschancen sehr gering sind. Besser als weitere Worte veranschaulicht dies ein Foto von einem Stammquerschnitt. Die Pappelprobe besteht nach zwei Jahren Lagerung im Garten fast nur noch aus Holzmehl.

Stammscheibe Pappel (Klick für größeres Bild.)
Abb. D: Stammscheibe einer fast aufgelösten Pappel.



Startseite

www.grabungswoerterbuch.de © Norbert Fischer, Doris Fischer