Viel Gelb mit wenig Safran
„Mit wenig Saffran läßt sich viel gelb färben. Man darf ihn nur in Wasser abkochen, und alles, was man in dieses Wasser hineintaucht, nimmt die nämliche Farbe an.“
Warum wusste ich nicht, dass man Safran in Deutschland anbauen kann? Es funktioniert tatsächlich ganz prima. Lest hier, wie mein Safran-Experiment verlaufen ist:
Im September 2025 habe ich 15 Safranzwiebeln in die Erde gesteckt. Ich hatte gelesen, dass man noch im gleichen Jahr ernten kann. Das konnte ich gar nicht glauben. Aber tatsächlich zeigten sich schon ab Mitte Oktober die ersten Blüten. Ich habe gleich draußen die roten Narben mit einer Pinzette aus der Blüte gezogen. Es wäre sicher bequemer gewesen, wenn ich die ganze Blüte abgeknipst und die Narben erst später am Tisch entfernt hätte.
Insgesamt habe ich 0,2 Gramm geerntet. Die getrockneten Narbenfäden wurden in einem Mörser klein gerieben, dann in etwas Wasser ausgekocht. 1 Gramm gewaschene Schafwolle kamen in den Topf. Für Safran ist keine Vorbeize nötig. Das Ergebnis ist ein wunderschönes Sonnengelb.





„Saffran wird in der Illuminir-Kunst sehr offt und viel gebrauchet.“ Im Mittelalter war Safran ein Heilmittel und wurde auch in der Buchmalerei benutzt. Die Anwendung für größere Textilien ist eher unwahrscheinlich, weil die Färbung nicht lichtecht ist [siehe Harald Böhmer (2002): Kökboya – Naturfarben und Textilien, S. 113]. Ich habe aber Anleitungen zum Färben von Zwirn und Seidenbändern gefunden.
Wer den Anbau selbst versuchen will: Die Zwiebeln bleiben mehrere Jahre im Boden. Während dieser Zeit bilden sich zahlreiche Tochterzwiebeln. Laut Literatur vermehren sich die Zwiebeln um das sieben- oder achtfache, nach einer anderen Quelle sogar um das sechzehnfache. Die Ernte ist im vierten oder fünften Jahr am größten. Dann werden die Zwiebelchen ausgegraben und vereinzelt in ein neues Beet gesetzt.